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Bücherbesprechungen
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Umfanges des ursprünghchen Werkes nötig war, zeigt nicht, wie nachlässig
die Herausgeber gearbeitet haben, sondern vielmehr mit welchem Eifer die
dravidistische Forschung inzwischen vorangetrieben worden ist. Neues
Material ist den Herausgebern vor allem aus Feldforschungen aus dem Gebiet
der illiteralen zentraldravidisohen Sprachen zugeflossen, von denen vieles
sonst noch nicht veröffentlich ist, doch wurde auch den altbekarmten
Literatursprachen des Südens noch Manches abgewonnen. Zu fast jedem
zweiten oder dritten Stichwort sind neue Formen hinzugefügt, dazu kommen
889 ganz neue Stichwörter. Bemerkt sei, daß urdravid. *pentika ,,Kamm",
das den finnischen Entzifferern der Indusschrift die entscheidende Bestäti¬
gung ihrer Vermutungen lieferte, erst in diesem Supplementband (Nr. 3607)
als gemein-drävidisch gesichert wurde und im ursprünglichen Werk nur mit
F'ormen aus Parji und Gondi vertreten war. Neu in der Zitierweise ist, daß
bei den Gondi-Formen auf das von Bubbow und Bhattachabya 1960 ver¬
öffentlichte ,, Comparative Vocabulary of the Gondi Dialects" Bezug ge¬
nommen wird, was die Aufzählung aller dort zusammengestellten, oft nur
durch dio Schreibweise unterschiedenen Formen erübrigt.
Der Band zeigt wieder, in welohem Maße in der Dravidistik noeh ganz
elementare Grunderfordernisse wie Materialsammlung, Zusammenstellung
von Wörterbüchern usw. nötig sind, bevor eine wirklich systematische
linguistische Bearbeitung möglich ist. T. Bubbow und M. B. Emeneau
haben, zusammen mit dem unermüdliohen Feldforschern S. Bhattachabya,
dazu einen Beitrag geleistet, der an Umfang und Gediegenheit so schnell
nicht übertroffen werden kann.
Hebmann Bebgeb, Heidelberg
Blanche Chbistine Olschak: Sikkim. Himalajastaai zwischen Oletschern
und Dschungeln. Schweizer Verlagshaus AG, Zürich 1965. 225 S., 96 Bild¬
tafeln.
Nach dem einer Studienreise verdankten ,, beglückenden Erleben einer
Wirklichkeit, deren geschichtliche und sprachliche Hintergründe (sie)
während vielen Jahren studiert hatte", legt die österreichische Tibetologin
uns dieses schöne Buch über den so kleinen, aber dabei so vielseitig interes¬
santen und heute strategisch so bedeutsamen Himalayastaat am Wege von
Indien nach Lhasa vor. Das von der vorhegenden Literatur gebotene Material
durch persönhche Eindrücke und Erlebnisse und die Ergebnisse eigener
Studien vielfach bereichernd und belebend, zeichnet Frau Olschak ein
allseitiges Bild Sikkims, boi dem Geographie und Volkskunde, die berühmte
Flora und Fauna, Wirtschaft und moderner Alpinismus nicht zu kurz kom¬
men, der Nachdruck aber naturgemäß auf ihren eigenen Studiengebieten der
Sprache und Literatur, Religion und Geschichte liegt: fast die (zweite)
Hälfte des Buches nimmt eine in die Probleme der Gegenwart ausmündende
eingehende Darstellung der Geschichte des Landes ein. Wiederholt wandern
wir mit der Verfasserin auf den Spuren des bekannten Botanikers J. D.
Hooker, der als erster Engländer von 1848 bis 1851 Sikkim (und keineswegs
nur seine Botanik) erforschte; 18 Skizzen von seiner Hand, als Textabbildun¬
gen reproduziert, bilden eine höchst reizvolle Ergänzung der reichen und
guten Bebilderimg dureh 96 Bildtafeln (davon 16 farbig). Dagegen können